BARMER – Online-Seminar für Firmenkunden„Stressfrei starten – Pre- und Onboarding von Auszubildenden“
Als Experten-Speaker im Seminarformat der BARMER Krankenkasse habe ich gemeinsam mit Norina Millard (Employer Branding & Recruiting, BARMER) Ausbildungsbetriebe bundesweit begleitet. Im Fokus: wie Unternehmen Auszubildende vom ersten Kontakt an binden, orientieren und gesund integrieren – weit bevor der erste Arbeitstag beginnt.
Inhalte: Preboarding-Strategien, Onboarding-Architektur, Bedürfnisse der Generation Z, mentale Gesundheit im Ausbildungsstart, Selbstorganisation und Belastungssteuerung.
Format: Online-Seminar · Zielgruppe: HR-Verantwortliche und Ausbildungsbetriebe · April 2026
Die schwierigsten Gespräche in der Ausbildung beginnen selten mit einem großen Satz. Oft heißt es nur: „Es ist gerade ein bisschen viel.“
Dann zeigt sich, ob ein Betrieb vorbereitet ist – oder nur gute Absichten hat.
Eine aktuelle Untersuchung von Bertelsmann Stiftung und Institut der deutschen Wirtschaft macht die Lücke sichtbar: 19,8 Prozent der befragten Auszubildenden fühlen sich durch ihre Ausbildung häufig oder fast immer emotional belastet. 34,5 Prozent trauen sich nicht, psychische Belastungen anzusprechen. Unter den besonders belasteten Auszubildenden denken 73,6 Prozent über eine vorzeitige Vertragslösung nach.
Das beweist nicht jeden Ausbildungsabbruch. Aber es ist ein klares Signal: Wer erst reagiert, wenn jemand ausfällt, reagiert zu spät.
Für Betriebe bedeutet das nicht, Therapie anzubieten. Es bedeutet, Ausbildung besser zu organisieren:
• eine erkennbare Ansprechperson
• eine Alternative, wenn die direkte Führungskraft nicht passt
• klare Regeln für Vertraulichkeit
• kurze Check-ins statt Gespräche nur im Krisenfall
• ein Übergang zu externer Hilfe
„Du kannst jederzeit zu mir kommen“ ist ein guter Anfang. Ein Unterstützungssystem wird daraus erst, wenn ein belasteter Auszubildender weiß, was danach passiert.
Der Praxistest: Montagmorgen, zehn Minuten Zeit, ein erschöpfter Azubi. Weiß das Team, wer übernimmt? Oder bleibt nur: „Wir müssen jetzt erstmal arbeiten“?
Würde ein belasteter Auszubildender heute sicher wissen, was der nächste Schritt ist?
Eine Ausbildung kann fachlich passen und trotzdem praktisch unmöglich sein.
Zum Beispiel, wenn der Betrieb nur ein Vollzeitmodell kennt, die Berufsschule morgens beginnt und zu Hause ein Kind, ein Angehöriger oder eine andere feste Verpflichtung wartet. Die Ausbildung verschwindet dann nicht, weil jemand den Beruf nicht will. Sie verschwindet, weil der Weg dorthin nicht organisiert ist.
Teilzeitausbildung ist kein kleines Zusatzangebot für Sonderfälle. Sie ist ein Prüfstein dafür, wie offen ein Ausbildungsbetrieb wirklich ist. Das Berufsbildungsgesetz ermöglicht verkürzte tägliche oder wöchentliche Ausbildungszeiten. Die konkrete Lösung muss zwischen Betrieb, Auszubildenden, Berufsschule und zuständiger Stelle funktionieren.
Drei Fragen helfen: Ist die Teilzeitoption in der Stellenanzeige sichtbar? Welche Anwesenheit ist für die Lernziele erforderlich – und was ist nur Gewohnheit? Wer begleitet die Vereinbarung nach dem Start?
Teilzeit senkt nicht automatisch die Anforderungen. Sie verändert die Organisation. Genau darin liegt die Chance: Betriebe erreichen Menschen, die bisher gar nicht erst in den Bewerbungsprozess eingestiegen sind, und gestalten Ausbildung näher an realen Lebenslagen.
Der erste Schritt: eine Ausbildungsstelle auswählen, ein Zeitmodell prüfen, Berufsschule und Kammer einbeziehen und zwei Check-ins in den ersten 30 Tagen vereinbaren.
Welche Ausbildungsstelle wäre fachlich geeignet – aber organisatorisch noch nicht offen genug?